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Bildrechte: picture alliance / Hans Lucas | Joao Luiz Bulcao

Aktionswoche & Film im MDR-Fernsehen Welche Folgen Fast-Fashion hat – und wie es besser ginge

26. April 2025, 12:00 Uhr

Die "Fashion Revolution Week" erinnert an die Rana Plaza-Katastrophe 2013, bei der über 1.100 Menschen starben. Trotz des Schocks stieg die Textilproduktion auf 109 Millionen Tonnen im Jahr 2020 und wird bis 2030 auf 145 Millionen Tonnen anwachsen. Ultra-Fast-Fashion beschleunigt die Produktion weiter. Die Aktionswoche soll Bewusstsein schaffen. Die Dokumentation "Gute Nachrichten vom Planeten" beleuchtet Initiativen für eine bessere Modebranche.

Die Aktionswoche "Fashion Revolution Week" wurde im Gedenken an die Rana Plaza-Katastrophe in Bangladesch ins Leben gerufen. Bei dem Fabrikeinsturz am 24. April 2013 kamen mehr als 1.100 Menschen ums Leben. In dem Gebäude war Bekleidung für viele der weltweit größten Modemarken hergestellt worden. Obwohl der Vorfall weltweit für Erschütterung sorgte, sind die Produktionsraten der Textilindustrie seitdem weiter gestiegen – auf 109 Millionen Tonnen im Jahr 2020. In den kommenden zehn Jahren wird das Produktionsvolumen voraussichtlich weiter steigen. Die Europäische Umweltagentur prognostiziert ein Wachstum auf 145 Millionen Tonnen im Jahr 2030.

Ultra-Fast-Fashion beschleunigt die Produktion weiter

"Wir beobachten in den vergangenen Jahren einen Zuwachs an Ultra-Fast-Fashion, das heißt, es werden noch mehr Kollektionen pro Jahr produziert, als es bei Fast-Fashion der Fall ist", erzählt Matilda Lidfeldt. Sie forscht am Schwedischen Umweltforschungsinstitut IVL zur Kreislaufwirtschaft und Textilien. Ultra-Fast-Fashion bedeute nun, dass noch größere Mengen Kleidung noch billiger produziert werden, erklärt Lidfeldt. "Im Jahr 2023 müssen Unternehmen ihre Umweltauswirkungen radikal reduzieren, indem sie ihren Fokus vom Wachstum weg verlagern", fordern die Initiatoren der Fashion Revolution Week.

Mit der Aktionswoche wollen die Veranstalter Menschen in ganz Deutschland erreichen, geplant sind etwa Veranstaltungen in Halle, Chemnitz und Magdeburg.

Auch international gibt es Beispiele für Projekte, die eine bessere Textilindustrie ermöglichen könnten. Das "Cotton Made in Africa"-Programm fördert faire Löhne und nachhaltigen Baumwollanbau, an dem über eine Million Kleinbauern in elf afrikanischen Ländern teilnehmen. Ein italienischer Stoffproduzent hat einen kompostierbaren Jeansstoff entwickelt, und an der Wiener Universität wird Leder aus Pilzen hergestellt, was Tierleben schont und weniger Treibhausgase verursacht. Ein französischer Sneaker-Label-Gründer hat umweltfreundlichen Naturkautschuk für Schuhsohlen gefunden, und ein Unternehmen nutzt kratzige Schweizer Schafwolle für moderne Outdoor-Bekleidung.

Um diese Projekte und die Forscherinnen, Aktivistinnen und Unternehmerinnen, die versuchen, umweltfreundliche Wege einzuschlagen geht es auch im MDR Fernsehen. Am Sonntag, den 27. April ist um 22:20 Uhr die Dokumentation "Gute Nachrichten vom Planeten: Wie wir Mode fair und grün machen" zu sehen. Online kann der Film schon jetzt in der ARD Mediathek abgerufen werden.

iz

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Gute Nachrichten vom Planeten | 27. April 2025 | 22:20 Uhr

17 Kommentare

Eddi58 vor 2 Wochen

@DanielSBK
Von sich auf andere zu schließen ist nicht immer hilfreich. 👀
1100 Tote beim Einsturz der Textilfabrik mögen Sie nicht berühren, andere sehen das anders.🤔
Die Abermillionen Tonnen Textilien, die als Müll enden mögen für Sie kein Problem sein, gleichwohl belastet diese Mensch und Umwelt, vor allem dort wo das Zeugs zum Schluss landet. Verschwände Ihr Haus und Grundstück unter einem Berg Textilien würden Sie möglicherweise ganz anders denken…💭

NochJemand vor 2 Wochen

Ganz-ganz früher mal war Kleidung ein wertvolles Gut. Wurde so hochwertig produziert wie möglich und musste teilweise lebenslang halten. Sie war auch ein Ausdruck des sozialen Status. Schicke Mode war Luxus oder hing von den Nähkünsten ab.
Wenn etwas kaputt ging oder schäbig wurde, dann wurde es repariert oder umgenäht. Kinderkleidung wurde von den Kleineren aufgetragen oder weitergegeben. Niemand wäre auf die Idee gekommen, Kleidung einfach wegzuschmeißen, weil sie nicht mehr gefiel.
Heute ist Kleidung meist Massenware. Befeuert durch die Social Media-Vorbilder, die in ihren Marketingvideos immer etwas Tolles Neues anhaben, wollen besonders die Jüngeren auch immer etwas Tolles Neues. Da schicke Kleidung nicht durch Qualität definiert wird, sondern durch Farbe, Form und ob es eine Influencerin trägt, wird eben viel Billigzeug gekauft. Das schlecht sitzt und nach drei Wäschen Form und Farbe verliert und in der Tonne landet.

Nur - wie will man das zurückdrehen?

MDR-Team vor 2 Wochen

@Shantuma
Der Hinweis auf die Globalisierung ändert nichts daran, dass es sich dabei nur um Teilaspekte beim Wachstum von Fast Fashion handelt. Wichtiger ist dabei die weitverbreitete Verschwendung von Textilien in den Industrieländern.